Das Internet hat die Detektivarbeit revolutioniert. Bevor heute ein Ermittler auf Observation geht, hat er oft bereits ein detailliertes Bild der Zielperson – dank OSINT. Dieser Artikel erklärt, was hinter dem Begriff steckt und wie Detektive diese Methode legal und effektiv einsetzen.
Das Wichtigste im Überblick
- •OSINT = Open Source Intelligence – Recherche in öffentlich zugänglichen Quellen
- •100% legal: Keine Hacking, keine Tricks, keine illegalen Zugriffe
- •Typische Quellen: Social Media, Register, Archive, Suchmaschinen
- •Ergebnisse: Adressen, Kontakte, Verbindungen, Vermögenswerte, Online-Aktivitäten
- •Gerichtsverwertbar: Bei sauberer Dokumentation vollständig verwertbar
- •Kosteneffizient: Oft günstiger als klassische Observation
Was ist OSINT? Definition und Grundlagen
Kurz: OSINT (Open Source Intelligence) bezeichnet die systematische Sammlung, Analyse und Auswertung von Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen. Im Detektiv-Kontext bedeutet das: Alle Informationen, die ohne Einbruch, Täuschung oder illegale Methoden beschaffbar sind.
Der Ursprung von OSINT
Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Nachrichtendienstbereich. Geheimdienste erkannten früh, dass ein Großteil relevanter Informationen aus öffentlichen Quellen stammt – nicht aus geheimen Operationen.
Heute ist OSINT eine Kernkompetenz moderner Detekteien. Schätzungen zufolge können bis zu 80% der für eine Ermittlung relevanten Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen gewonnen werden.
Was OSINT von illegalem Hacken unterscheidet
| OSINT (Legal) | Hacken (Illegal) |
|---|---|
| Öffentlich zugängliche Quellen | Geschützte Systeme |
| Keine Überwindung von Sicherungen | Umgehung von Passwörtern |
| Freiwillig geteilte Informationen | Gestohlene Daten |
| Dokumentierbare Herkunft | Nicht nachvollziehbar |
| Gerichtsverwertbar | Nicht verwertbar + strafbar |
Der entscheidende Unterschied: OSINT nutzt nur, was bereits öffentlich ist. Es wird nichts „geknackt", gehackt oder erschlichen.
Welche Quellen nutzen Detektive?
Kurz: Professionelle OSINT-Recherche nutzt eine Vielzahl von Quellen – von sozialen Medien über öffentliche Register bis hin zu spezialisierten Datenbanken. Die Kunst liegt in der systematischen Kombination.
Soziale Medien
Die wichtigste OSINT-Quelle der modernen Detektivarbeit:
Facebook:
- •Öffentliche Profile und Freundeslisten
- •Check-ins und Standortdaten
- •Gruppenmitgliedschaften
- •Fotos und Markierungen
Instagram:
- •Öffentliche Posts und Stories
- •Standort-Tags und Hashtags
- •Follower-/Following-Listen
- •Tagged Persons
LinkedIn/XING:
- •Beruflicher Werdegang
- •Arbeitgeber und Positionen
- •Qualifikationen und Zertifikate
- •Geschäftskontakte
Twitter/X:
- •Öffentliche Tweets
- •Interaktionen und Verbindungen
- •Standortinformationen
- •Interessenprofile
Mehr dazu in unserem Artikel zur Social-Media-Ermittlung.
Öffentliche Register und Datenbanken
| Register | Informationen | Zugang |
|---|---|---|
| Handelsregister | Firmendaten, Geschäftsführer, Kapital | Öffentlich, kostenpflichtig |
| Grundbuch | Immobilieneigentum | Bei berechtigtem Interesse |
| Vereinsregister | Vereinsmitgliedschaften, Vorstände | Öffentlich |
| Insolvenzbekanntmachungen | Insolvenzverfahren | Öffentlich |
| Bundesanzeiger | Jahresabschlüsse, Bilanzen | Öffentlich |
| Melderegister | Wohnadressen | Bei berechtigtem Interesse |
Suchmaschinen und Archive
- •Google (erweiterte Suche): Mit Operatoren wie site:, filetype:, intitle:
- •Wayback Machine: Archivierte Webseiten, auch gelöschte
- •Google Cache: Temporär gespeicherte Webseiten
- •Yandex/Bing: Alternative Suchmaschinen mit anderen Ergebnissen
- •Pressearchive: Nachrichtenberichte und Pressemitteilungen
Spezialisierte OSINT-Tools
Professionelle Ermittler nutzen spezialisierte Software:
- •Maltego: Visualisierung von Verbindungen
- •Shodan: Internet of Things-Suche
- •WHOIS-Abfragen: Domain-Inhaberdaten
- •Reverse Image Search: Bildsuche in verschiedenen Datenbanken
- •People Search Engines: Personensuchmaschinen (länderspezifisch)
Typische Anwendungsfälle für OSINT
Kurz: OSINT wird bei Personensuchen, Hintergrundüberprüfungen, Betrugsfällen und der Vorbereitung klassischer Ermittlungen eingesetzt. Die digitale Recherche ist oft der erste Schritt jeder Detektivarbeit.
Personensuche und Adressermittlung
Einer der häufigsten Anwendungsfälle:
Szenario: Ein Erbe muss gefunden werden, der Kontakt ist abgebrochen.
OSINT-Vorgehen:
- •Suche in sozialen Medien nach Namen und Aliasen
- •Abgleich mit öffentlichen Registern
- •Analyse von Verbindungen zu Familienmitgliedern
- •Auswertung von Standortinformationen
- •Kontaktaufnahme über identifizierte Kanäle
Mehr dazu bei unserer Personensuche.
Hintergrundüberprüfungen (Background Checks)
Bei der Mitarbeiterüberprüfung oder vor Geschäftsbeziehungen:
Was geprüft wird:
- •Übereinstimmung von Lebenslauf und Online-Präsenz
- •Frühere Arbeitgeber und Positionen
- •Negative Presseberichte
- •Insolvenzhistorie
- •Firmenbeteiligungen
- •Online-Reputation
Betrugsfälle aufdecken
OSINT ist besonders wertvoll bei:
- •Romance Scam: Überprüfung von Online-Bekanntschaften
- •Fake-Profile: Identifizierung gefälschter Identitäten
- •Investmentbetrug: Recherche zu Firmen und Verantwortlichen
- •Versicherungsbetrug: Abgleich von Angaben mit Online-Aktivitäten
Vorbereitung klassischer Ermittlungen
Bevor eine Observation beginnt, liefert OSINT:
- •Aktuelle Fotos der Zielperson
- •Typische Aufenthaltsorte (Check-ins)
- •Fahrzeug-Informationen
- •Arbeitszeiten und Routinen
- •Kontaktpersonen und Beziehungen
Diese Vorabrecherche spart Zeit und Kosten bei der physischen Observation.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Kurz: OSINT ist legal, solange nur öffentlich zugängliche Quellen genutzt werden. Die DSGVO erlaubt die Verarbeitung bei berechtigtem Interesse. Wichtig ist die saubere Dokumentation der Quellen.
Was erlaubt ist
✅ Auswertung öffentlicher Social-Media-Profile ✅ Recherche in öffentlichen Registern ✅ Nutzung von Suchmaschinen ✅ Auswertung öffentlicher Foren und Websites ✅ Abfrage von Archiven ✅ Reverse-Bildersuche
Was verboten ist
❌ Zugriff auf private/geschützte Profile ❌ Ausnutzen von Sicherheitslücken ❌ Täuschung, um Zugang zu erhalten (Social Engineering) ❌ Hacken von Accounts ❌ Abfangen von Kommunikation ❌ Nutzung gestohlener Datensätze
DSGVO und OSINT
Die DSGVO gilt auch für OSINT-Recherchen:
- •Rechtsgrundlage: Art. 6 Abs. 1 lit. f (berechtigtes Interesse)
- •Verhältnismäßigkeit: Nur relevante Daten erheben
- •Dokumentation: Quellen und Methodik festhalten
- •Speicherung: Nur so lange wie nötig
Mehr zum Thema Datenschutz bei Detektivarbeit.
OSINT-Ergebnisse vor Gericht
Kurz: Legal gewonnene OSINT-Informationen sind vor Gericht verwertbar. Entscheidend ist die professionelle Dokumentation – wann wurde was wo gefunden.
Anforderungen an gerichtsverwertbare OSINT-Berichte
- •Quellenangabe: Exakte URL, Zeitstempel
- •Screenshots: Beweissicherung der gefundenen Inhalte
- •Methodik: Nachvollziehbare Beschreibung des Vorgehens
- •Authentizität: Nachweis, dass keine Manipulation erfolgte
- •Vollständigkeit: Auch entlastende Informationen dokumentieren
Typischer Aufbau eines OSINT-Berichts
1. Auftragsgegenstand
2. Untersuchte Quellen (vollständige Liste)
3. Methodik und eingesetzte Tools
4. Chronologie der Recherche
5. Ergebnisse mit Quellennachweis
6. Screenshots und Sicherungen
7. Zusammenfassung und Bewertung
Grenzen von OSINT
Kurz: OSINT kann viel, aber nicht alles. Personen ohne Online-Präsenz, gelöschte Inhalte und geschützte Informationen erfordern oft ergänzende Methoden.
Was OSINT nicht kann
- •Personen ohne Online-Präsenz finden – ältere oder technikferne Menschen
- •Privat gestellte Profile auswerten – ohne Freundschaftsanfrage nicht zugänglich
- •Endgültig gelöschte Inhalte wiederherstellen – wenn nicht archiviert
- •Echtzeitinformationen liefern – wo ist die Person jetzt gerade?
- •Gespräche und Kommunikation abfangen – das wäre illegal
Wann klassische Ermittlung nötig ist
OSINT ist oft der erste Schritt, aber nicht immer ausreichend:
| OSINT reicht aus | Klassische Ermittlung nötig |
|---|---|
| Adressermittlung | Observation aktueller Aktivitäten |
| Hintergrundcheck | Befragung von Kontakten |
| Online-Aktivitäten | Offline-Verhalten |
| Firmendaten | Interne Unternehmensvorgänge |
| Vermögenswerte | Versteckte Konten |
Die Kombination aus digitaler und klassischer Ermittlung bringt die besten Ergebnisse.
Was kostet OSINT-Recherche?
Kurz: OSINT ist oft kostengünstiger als physische Ermittlungen. Je nach Aufwand beginnen Recherchen bei 200€ und können bei komplexen Fällen mehrere Tausend Euro kosten.
Preisübersicht (Richtwerte)
| Recherche-Art | Typischer Aufwand | Preisrahmen |
|---|---|---|
| Einfache Personensuche | 2-4 Stunden | 200-500€ |
| Hintergrundcheck Person | 4-8 Stunden | 500-1.000€ |
| Unternehmensrecherche | 1-2 Tage | 800-2.000€ |
| Umfassende Due Diligence | Mehrere Tage | 2.000-5.000€ |
| Komplexe Betrugsermittlung | Individuell | Ab 3.000€ |
Kostenvorteile von OSINT
- •Schnellere Ergebnisse als physische Observation
- •Keine Reise- und Wartezeiten
- •Skalierbar – viele Personen parallel recherchierbar
- •Nachvollziehbar – jeder Schritt dokumentiert
Mehr zu den allgemeinen Kosten einer Detektei.
Fazit: OSINT als unverzichtbares Werkzeug
OSINT hat die Detektivarbeit grundlegend verändert. Die systematische Auswertung öffentlich zugänglicher Informationen ist heute oft der erste und wichtigste Schritt jeder Ermittlung.
Die Vorteile auf einen Blick:
- •Legal und gerichtsverwertbar
- •Kosteneffizient und schnell
- •Umfangreiche Informationsbasis
- •Professionell dokumentierbar
- •Ideale Vorbereitung für weitere Maßnahmen
Die Grenzen:
- •Nicht alles ist online zu finden
- •Private Einstellungen begrenzen den Zugang
- •Ergänzt, ersetzt aber nicht immer klassische Methoden
Wenn Sie wissen möchten, was über eine bestimmte Person oder ein Unternehmen öffentlich verfügbar ist, beraten wir Sie gerne zu den Möglichkeiten.
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Häufige Fragen
Vertiefende Artikel zu diesem Thema
4 ArtikelQuellen
- Bundeskriminalamt - Cybercrime – Offizielle Informationen zu digitaler Kriminalität
- Handelsregister Deutschland – Öffentliches Unternehmensregister
- DSGVO Art. 6 - Rechtmäßigkeit – Rechtsgrundlagen Datenverarbeitung
- Internet Archive (Wayback Machine) – Archiv von Webseiten
- Unternehmensregister – Bundesanzeiger Verlag