Zum Hauptinhalt springen
DigitalÜbersichtsartikel2. Januar 20267 Min. Lesezeit

OSINT: Online-Recherche durch Detektive erklärt (2026)

Was ist OSINT? Erfahren Sie, wie Detektive öffentlich zugängliche Quellen nutzen, um Personen zu finden, Hintergründe zu prüfen und Betrug aufzudecken.

Das Internet hat die Detektivarbeit revolutioniert. Bevor heute ein Ermittler auf Observation geht, hat er oft bereits ein detailliertes Bild der Zielperson – dank OSINT. Dieser Artikel erklärt, was hinter dem Begriff steckt und wie Detektive diese Methode legal und effektiv einsetzen.

Das Wichtigste im Überblick

  • OSINT = Open Source Intelligence – Recherche in öffentlich zugänglichen Quellen
  • 100% legal: Keine Hacking, keine Tricks, keine illegalen Zugriffe
  • Typische Quellen: Social Media, Register, Archive, Suchmaschinen
  • Ergebnisse: Adressen, Kontakte, Verbindungen, Vermögenswerte, Online-Aktivitäten
  • Gerichtsverwertbar: Bei sauberer Dokumentation vollständig verwertbar
  • Kosteneffizient: Oft günstiger als klassische Observation

Was ist OSINT? Definition und Grundlagen

Kurz: OSINT (Open Source Intelligence) bezeichnet die systematische Sammlung, Analyse und Auswertung von Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen. Im Detektiv-Kontext bedeutet das: Alle Informationen, die ohne Einbruch, Täuschung oder illegale Methoden beschaffbar sind.

Der Ursprung von OSINT

Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Nachrichtendienstbereich. Geheimdienste erkannten früh, dass ein Großteil relevanter Informationen aus öffentlichen Quellen stammt – nicht aus geheimen Operationen.

Heute ist OSINT eine Kernkompetenz moderner Detekteien. Schätzungen zufolge können bis zu 80% der für eine Ermittlung relevanten Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen gewonnen werden.

Was OSINT von illegalem Hacken unterscheidet

OSINT (Legal)Hacken (Illegal)
Öffentlich zugängliche QuellenGeschützte Systeme
Keine Überwindung von SicherungenUmgehung von Passwörtern
Freiwillig geteilte InformationenGestohlene Daten
Dokumentierbare HerkunftNicht nachvollziehbar
GerichtsverwertbarNicht verwertbar + strafbar

Der entscheidende Unterschied: OSINT nutzt nur, was bereits öffentlich ist. Es wird nichts „geknackt", gehackt oder erschlichen.

Welche Quellen nutzen Detektive?

Kurz: Professionelle OSINT-Recherche nutzt eine Vielzahl von Quellen – von sozialen Medien über öffentliche Register bis hin zu spezialisierten Datenbanken. Die Kunst liegt in der systematischen Kombination.

Soziale Medien

Die wichtigste OSINT-Quelle der modernen Detektivarbeit:

Facebook:

  • Öffentliche Profile und Freundeslisten
  • Check-ins und Standortdaten
  • Gruppenmitgliedschaften
  • Fotos und Markierungen

Instagram:

  • Öffentliche Posts und Stories
  • Standort-Tags und Hashtags
  • Follower-/Following-Listen
  • Tagged Persons

LinkedIn/XING:

  • Beruflicher Werdegang
  • Arbeitgeber und Positionen
  • Qualifikationen und Zertifikate
  • Geschäftskontakte

Twitter/X:

  • Öffentliche Tweets
  • Interaktionen und Verbindungen
  • Standortinformationen
  • Interessenprofile

Mehr dazu in unserem Artikel zur Social-Media-Ermittlung.

Öffentliche Register und Datenbanken

RegisterInformationenZugang
HandelsregisterFirmendaten, Geschäftsführer, KapitalÖffentlich, kostenpflichtig
GrundbuchImmobilieneigentumBei berechtigtem Interesse
VereinsregisterVereinsmitgliedschaften, VorständeÖffentlich
InsolvenzbekanntmachungenInsolvenzverfahrenÖffentlich
BundesanzeigerJahresabschlüsse, BilanzenÖffentlich
MelderegisterWohnadressenBei berechtigtem Interesse

Suchmaschinen und Archive

  • Google (erweiterte Suche): Mit Operatoren wie site:, filetype:, intitle:
  • Wayback Machine: Archivierte Webseiten, auch gelöschte
  • Google Cache: Temporär gespeicherte Webseiten
  • Yandex/Bing: Alternative Suchmaschinen mit anderen Ergebnissen
  • Pressearchive: Nachrichtenberichte und Pressemitteilungen

Spezialisierte OSINT-Tools

Professionelle Ermittler nutzen spezialisierte Software:

  • Maltego: Visualisierung von Verbindungen
  • Shodan: Internet of Things-Suche
  • WHOIS-Abfragen: Domain-Inhaberdaten
  • Reverse Image Search: Bildsuche in verschiedenen Datenbanken
  • People Search Engines: Personensuchmaschinen (länderspezifisch)

Typische Anwendungsfälle für OSINT

Kurz: OSINT wird bei Personensuchen, Hintergrundüberprüfungen, Betrugsfällen und der Vorbereitung klassischer Ermittlungen eingesetzt. Die digitale Recherche ist oft der erste Schritt jeder Detektivarbeit.

Personensuche und Adressermittlung

Einer der häufigsten Anwendungsfälle:

Szenario: Ein Erbe muss gefunden werden, der Kontakt ist abgebrochen.

OSINT-Vorgehen:

  1. Suche in sozialen Medien nach Namen und Aliasen
  2. Abgleich mit öffentlichen Registern
  3. Analyse von Verbindungen zu Familienmitgliedern
  4. Auswertung von Standortinformationen
  5. Kontaktaufnahme über identifizierte Kanäle

Mehr dazu bei unserer Personensuche.

Hintergrundüberprüfungen (Background Checks)

Bei der Mitarbeiterüberprüfung oder vor Geschäftsbeziehungen:

Was geprüft wird:

  • Übereinstimmung von Lebenslauf und Online-Präsenz
  • Frühere Arbeitgeber und Positionen
  • Negative Presseberichte
  • Insolvenzhistorie
  • Firmenbeteiligungen
  • Online-Reputation

Betrugsfälle aufdecken

OSINT ist besonders wertvoll bei:

  • Romance Scam: Überprüfung von Online-Bekanntschaften
  • Fake-Profile: Identifizierung gefälschter Identitäten
  • Investmentbetrug: Recherche zu Firmen und Verantwortlichen
  • Versicherungsbetrug: Abgleich von Angaben mit Online-Aktivitäten

Vorbereitung klassischer Ermittlungen

Bevor eine Observation beginnt, liefert OSINT:

  • Aktuelle Fotos der Zielperson
  • Typische Aufenthaltsorte (Check-ins)
  • Fahrzeug-Informationen
  • Arbeitszeiten und Routinen
  • Kontaktpersonen und Beziehungen

Diese Vorabrecherche spart Zeit und Kosten bei der physischen Observation.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Kurz: OSINT ist legal, solange nur öffentlich zugängliche Quellen genutzt werden. Die DSGVO erlaubt die Verarbeitung bei berechtigtem Interesse. Wichtig ist die saubere Dokumentation der Quellen.

Was erlaubt ist

✅ Auswertung öffentlicher Social-Media-Profile ✅ Recherche in öffentlichen Registern ✅ Nutzung von Suchmaschinen ✅ Auswertung öffentlicher Foren und Websites ✅ Abfrage von Archiven ✅ Reverse-Bildersuche

Was verboten ist

❌ Zugriff auf private/geschützte Profile ❌ Ausnutzen von Sicherheitslücken ❌ Täuschung, um Zugang zu erhalten (Social Engineering) ❌ Hacken von Accounts ❌ Abfangen von Kommunikation ❌ Nutzung gestohlener Datensätze

DSGVO und OSINT

Die DSGVO gilt auch für OSINT-Recherchen:

  • Rechtsgrundlage: Art. 6 Abs. 1 lit. f (berechtigtes Interesse)
  • Verhältnismäßigkeit: Nur relevante Daten erheben
  • Dokumentation: Quellen und Methodik festhalten
  • Speicherung: Nur so lange wie nötig

Mehr zum Thema Datenschutz bei Detektivarbeit.

OSINT-Ergebnisse vor Gericht

Kurz: Legal gewonnene OSINT-Informationen sind vor Gericht verwertbar. Entscheidend ist die professionelle Dokumentation – wann wurde was wo gefunden.

Anforderungen an gerichtsverwertbare OSINT-Berichte

  1. Quellenangabe: Exakte URL, Zeitstempel
  2. Screenshots: Beweissicherung der gefundenen Inhalte
  3. Methodik: Nachvollziehbare Beschreibung des Vorgehens
  4. Authentizität: Nachweis, dass keine Manipulation erfolgte
  5. Vollständigkeit: Auch entlastende Informationen dokumentieren

Typischer Aufbau eines OSINT-Berichts

1. Auftragsgegenstand
2. Untersuchte Quellen (vollständige Liste)
3. Methodik und eingesetzte Tools
4. Chronologie der Recherche
5. Ergebnisse mit Quellennachweis
6. Screenshots und Sicherungen
7. Zusammenfassung und Bewertung

Grenzen von OSINT

Kurz: OSINT kann viel, aber nicht alles. Personen ohne Online-Präsenz, gelöschte Inhalte und geschützte Informationen erfordern oft ergänzende Methoden.

Was OSINT nicht kann

  • Personen ohne Online-Präsenz finden – ältere oder technikferne Menschen
  • Privat gestellte Profile auswerten – ohne Freundschaftsanfrage nicht zugänglich
  • Endgültig gelöschte Inhalte wiederherstellen – wenn nicht archiviert
  • Echtzeitinformationen liefern – wo ist die Person jetzt gerade?
  • Gespräche und Kommunikation abfangen – das wäre illegal

Wann klassische Ermittlung nötig ist

OSINT ist oft der erste Schritt, aber nicht immer ausreichend:

OSINT reicht ausKlassische Ermittlung nötig
AdressermittlungObservation aktueller Aktivitäten
HintergrundcheckBefragung von Kontakten
Online-AktivitätenOffline-Verhalten
FirmendatenInterne Unternehmensvorgänge
VermögenswerteVersteckte Konten

Die Kombination aus digitaler und klassischer Ermittlung bringt die besten Ergebnisse.

Was kostet OSINT-Recherche?

Kurz: OSINT ist oft kostengünstiger als physische Ermittlungen. Je nach Aufwand beginnen Recherchen bei 200€ und können bei komplexen Fällen mehrere Tausend Euro kosten.

Preisübersicht (Richtwerte)

Recherche-ArtTypischer AufwandPreisrahmen
Einfache Personensuche2-4 Stunden200-500€
Hintergrundcheck Person4-8 Stunden500-1.000€
Unternehmensrecherche1-2 Tage800-2.000€
Umfassende Due DiligenceMehrere Tage2.000-5.000€
Komplexe BetrugsermittlungIndividuellAb 3.000€

Kostenvorteile von OSINT

  • Schnellere Ergebnisse als physische Observation
  • Keine Reise- und Wartezeiten
  • Skalierbar – viele Personen parallel recherchierbar
  • Nachvollziehbar – jeder Schritt dokumentiert

Mehr zu den allgemeinen Kosten einer Detektei.

Fazit: OSINT als unverzichtbares Werkzeug

OSINT hat die Detektivarbeit grundlegend verändert. Die systematische Auswertung öffentlich zugänglicher Informationen ist heute oft der erste und wichtigste Schritt jeder Ermittlung.

Die Vorteile auf einen Blick:

  • Legal und gerichtsverwertbar
  • Kosteneffizient und schnell
  • Umfangreiche Informationsbasis
  • Professionell dokumentierbar
  • Ideale Vorbereitung für weitere Maßnahmen

Die Grenzen:

  • Nicht alles ist online zu finden
  • Private Einstellungen begrenzen den Zugang
  • Ergänzt, ersetzt aber nicht immer klassische Methoden

Wenn Sie wissen möchten, was über eine bestimmte Person oder ein Unternehmen öffentlich verfügbar ist, beraten wir Sie gerne zu den Möglichkeiten.

Jetzt OSINT-Recherche anfragen: Unverbindlich Kontakt aufnehmen →

Häufige Fragen

OSINT steht für 'Open Source Intelligence' – die systematische Sammlung und Analyse von Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen. Dazu gehören soziale Medien, öffentliche Register, Websites, Foren und Nachrichtenarchive.
Ja, die Recherche in öffentlich zugänglichen Quellen ist grundsätzlich legal. Es werden nur Informationen genutzt, die bereits öffentlich verfügbar sind – ohne Hacken, ohne Einbruch in Accounts, ohne Tricks.
Typische Ergebnisse sind: Adressen und Kontaktdaten, Arbeitgeber und beruflicher Werdegang, Verbindungen zu anderen Personen, Online-Aktivitäten und -Profile, Vermögenswerte wie Immobilien oder Firmenbeteiligungen.
OSINT nutzt ausschließlich öffentlich zugängliche Informationen – nichts wird 'geknackt' oder illegal abgerufen. Hacken hingegen ist das unbefugte Eindringen in geschützte Systeme und strafbar.
Detektive nutzen u.a.: Soziale Medien (Facebook, Instagram, LinkedIn, XING), Handels- und Unternehmensregister, Grundbücher, Melderegisterauskünfte, Pressearchive, Internetarchive und Suchmaschinen.
Teilweise ja. Über Archive wie die Wayback Machine oder Google Cache können gelöschte Webinhalte manchmal noch abgerufen werden. Auch gelöschte Social-Media-Posts hinterlassen oft Spuren.
Das hängt vom Umfang ab. Eine einfache Personensuche kann wenige Stunden dauern, eine umfassende Hintergrundüberprüfung mehrere Tage. Komplexe Firmenrecherchen können Wochen in Anspruch nehmen.
Die Kosten variieren je nach Aufwand. Einfache Recherchen beginnen bei 200-500€, umfassende Hintergrundchecks können 1.000-3.000€ kosten. Komplexe Wirtschaftsrecherchen liegen höher.
Ja, professionelle Detektive können auch im Darknet nach Informationen suchen – etwa bei Datenlecks oder zur Überprüfung, ob kompromittierte Daten gehandelt werden. Das reine Suchen ist legal.
Ja, legal gewonnene OSINT-Informationen sind vor Gericht verwertbar. Wichtig ist die saubere Dokumentation der Quellen und der Erhebungsmethode. Professionelle Berichte erfüllen diese Anforderungen.

Quellen

OSINTOnline-RecherchePersonensucheSocial Mediadigitale ErmittlungOpen Source Intelligence