Soziale Medien sind eine Goldgrube für Ermittler. Was Menschen freiwillig teilen, kann entscheidende Hinweise liefern – bei Untreue, Betrug oder Personensuchen. Dieser Artikel erklärt, wie professionelle Social-Media-Ermittlungen funktionieren.
Das Wichtigste im Überblick
- •Nur öffentliche Daten: Detektive nutzen ausschließlich frei zugängliche Informationen
- •Mehr als erwartet: Viele Nutzer unterschätzen, was öffentlich sichtbar ist
- •Alle Plattformen: Facebook, Instagram, LinkedIn, XING, Twitter und mehr
- •Archivierte Daten: Auch gelöschte Inhalte können manchmal gefunden werden
- •Legal und verwertbar: Öffentliche Social-Media-Daten sind vor Gericht nutzbar
- •Keine Tricks: Seriöse Detekteien hacken nicht und nutzen keine Fake-Profile
Dieser Artikel ist Teil unserer Serie zur Online-Recherche durch Detektive (OSINT).
Was kann ein Detektiv auf Social Media finden?
Kurz: Alles, was öffentlich zugänglich ist – und das ist oft mehr, als Nutzer denken. Standorte, Beziehungsstatus, Freundeskreis, Aktivitäten und beruflicher Werdegang lassen sich häufig rekonstruieren.
| Information | Wo zu finden | Häufig öffentlich? |
|---|---|---|
| Profilfoto & Name | Profil | Ja |
| Freundesliste | Profil | Oft ja |
| Check-ins | Beiträge | Manchmal |
| Gruppenmitgliedschaften | Info-Bereich | Oft ja |
| Kommentare in öffentlichen Gruppen | Gruppen | Ja |
| Markierungen auf Fotos | Fotos von Freunden | Variiert |
| Beziehungsstatus | Info-Bereich | Variiert |
- •Öffentliche Profile: Alle Posts, Stories-Highlights, Follower/Following
- •Standort-Tags: Wo wurde das Foto aufgenommen?
- •Markierungen: Mit wem ist die Person unterwegs?
- •Hashtags: Interessen und Aktivitäten
- •Kommentare: Interaktionen mit anderen Nutzern
LinkedIn / XING
Besonders wertvoll für Wirtschaftsermittlungen:
- •Beruflicher Werdegang
- •Aktuelle Position und Arbeitgeber
- •Ausbildung und Qualifikationen
- •Geschäftskontakte und Empfehlungen
- •Firmenbeteiligungen
Twitter / X
- •Öffentliche Tweets und Retweets
- •Follower und Following
- •Interaktionen und Diskussionen
- •Standortangaben in Tweets
- •Interessenprofile durch Likes
Typische Ermittlungsszenarien
Kurz: Social-Media-Recherche wird bei Untreue-Verdacht, Personensuchen, Hintergrundchecks und Betrugsfällen eingesetzt – oft als erster Ermittlungsschritt.
Untreue-Ermittlung
Social Media kann Hinweise auf eine Affäre liefern:
- •Verdächtige Interaktionen mit bestimmten Personen
- •Check-ins an unerwarteten Orten
- •Neue Kontakte mit auffälligem Interaktionsmuster
- •Diskrepanz zwischen angegebenen und tatsächlichen Aufenthalten
Personensuche
Bei der Personensuche helfen Social Media:
- •Aktuelle Wohnorte durch Check-ins
- •Arbeitgeber über LinkedIn
- •Kontaktpersonen und Familienangehörige
- •E-Mail-Adressen und Telefonnummern (wenn geteilt)
Mitarbeiterüberprüfung
Für Background Checks:
- •Übereinstimmung Lebenslauf und Online-Profil
- •Kritische Äußerungen über frühere Arbeitgeber
- •Hinweise auf problematisches Verhalten
- •Qualifikationsnachweise und Referenzen
Betrugsfälle
Bei Romance Scam und anderen Betrugsformen:
- •Überprüfung von Identitätsangaben
- •Reverse Image Search für Profilbilder
- •Analyse des Account-Alters und der Aktivität
- •Verbindungen zu bekannten Betrugsnetzwerken
Was Detektive NICHT dürfen
Kurz: Hacken, Einloggen mit fremden Daten und Täuschung zur Freundschaftsannahme sind verboten. Seriöse Ermittler beschränken sich auf öffentlich zugängliche Informationen.
Verbotene Methoden
❌ Hacken von Accounts ❌ Einloggen mit gestohlenen Passwörtern ❌ Fake-Profile zur Kontaktaufnahme ❌ Social Engineering zum Erhalt von Zugangsdaten ❌ Auslesen privater Nachrichten
Erlaubte Methoden
✅ Auswertung öffentlicher Profile ✅ Analyse von öffentlichen Kommentaren ✅ Reverse Image Search für Profilbilder ✅ Archiv-Recherche (Wayback Machine) ✅ Verknüpfung von Informationen aus verschiedenen Quellen
Mehr dazu im Artikel Was Detektive nicht dürfen.
Auch gelöschte Inhalte können gefunden werden
Kurz: Das Internet vergisst nicht. Gelöschte Posts können über Archive, Google Cache oder Screenshots von Dritten noch zugänglich sein.
Quellen für gelöschte Inhalte
- •Wayback Machine: Archiviert Webseiten automatisch
- •Google Cache: Temporäre Kopien von Webseiten
- •Screenshots von Dritten: Wurden Inhalte geteilt?
- •Datenbank-Leaks: Bei Sicherheitslücken gespeicherte Daten
Was das für Sie bedeutet
- •Einmal veröffentlicht = potenziell dauerhaft dokumentiert
- •Privatsphäre-Einstellungen nachträglich ändern hilft nur bedingt
- •Vor Veröffentlichung nachdenken: Wäre das vor Gericht problematisch?
Fazit: Social Media ist ein offenes Buch
Für professionelle Ermittler sind soziale Medien eine wertvolle Informationsquelle. Was öffentlich geteilt wird, kann legal ausgewertet und als Beweis verwendet werden.
Wichtig für Betroffene:
- •Überprüfen Sie Ihre Privatsphäre-Einstellungen
- •Bedenken Sie, was Sie öffentlich teilen
- •Frühere Posts können noch zugänglich sein
Wichtig für Auftraggeber:
- •Social-Media-Recherche ist oft der effizienteste erste Schritt
- •Legale Methoden liefern gerichtsverwertbare Ergebnisse
- •Professionelle Ermittler dokumentieren alle Quellen
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Häufige Fragen
Dieser Artikel ist Teil unserer Artikelserie:
Quellen
- DSGVO Art. 6 – Rechtmäßigkeit der Datenverarbeitung
- BGH - Social Media als Beweis – Rechtsprechung zu digitalen Beweisen