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DigitalÜbersichtsartikel17. November 20259 Min. Lesezeit

Cyberstalking erkennen & beweisen – Ratgeber 2026

Werden Sie online belästigt? Erfahren Sie, wie Sie Cyberstalking erkennen, Beweise sichern und sich rechtlich wehren können. Inklusive Detektiv-Unterstützung.

Cyberstalking ist eine ernste Straftat, die Betroffene in ihrer digitalen und realen Existenz massiv beeinträchtigt. Doch um sich rechtlich zu wehren, brauchen Sie Beweise. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie Cyberstalking erkennen, dokumentieren und mit professioneller Hilfe beenden können.

Das Wichtigste im Überblick

  • Strafbar: Cyberstalking fällt unter § 238 StGB mit bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe
  • Beweise sichern: Screenshots, E-Mails, Chatverläufe – BEVOR Sie blockieren
  • Chronologie führen: Datum, Uhrzeit, Inhalt jeder Kontaktaufnahme dokumentieren
  • Nicht ignorieren: Stalking hört selten von selbst auf – handeln Sie
  • Professionelle Hilfe: Detektive können Täter identifizieren und Beweise sichern
  • Rechtliche Schritte: Strafanzeige + einstweilige Verfügung möglich

Was ist Cyberstalking? Definition und Abgrenzung

Kurz: Cyberstalking ist die wiederholte, unerwünschte Belästigung einer Person über digitale Kanäle. Dazu gehören obsessive Nachrichten, Überwachung von Online-Aktivitäten, Identitätsdiebstahl, Verleumdung und die Verbreitung intimer Informationen oder Bilder.

Typische Formen von Cyberstalking

FormBeschreibung
NachrichtenbombardementHunderte unerwünschte E-Mails, SMS, DMs
Fake-ProfileKontaktaufnahme unter falscher Identität
DoxxingVeröffentlichung persönlicher Daten
RachepornografieVerbreitung intimer Aufnahmen
Online-VerleumdungFalsche Behauptungen in Foren, Bewertungen
Account-HackingÜbernahme von Social-Media-Konten
TrackingÜberwachung von Standort und Aktivitäten
ImpersonationAuftreten unter dem Namen des Opfers

Rechtliche Einordnung: § 238 StGB

Der Stalking-Paragraph wurde 2017 verschärft und erfasst nun auch digitale Belästigungsformen:

„Wer einer anderen Person in einer Weise unbefugt nachstellt, die geeignet ist, deren Lebensgestaltung schwerwiegend zu beeinträchtigen, indem er beharrlich (...) unter Verwendung von Telekommunikationsmitteln oder sonstigen Mitteln der Kommunikation oder über Dritte Kontakt zu ihr herzustellen versucht (...) wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

Wichtig: Seit der Reform reicht es aus, dass die Handlungen „geeignet" sind, das Leben zu beeinträchtigen – es muss nicht mehr nachgewiesen werden, dass sie es tatsächlich tun.

Cyberstalking vs. klassisches Stalking

Beide Formen treten oft kombiniert auf:

Klassisches StalkingCyberstalking
Physische VerfolgungÜberwachung von Online-Aktivitäten
Auflauern vor der WohnungKontaktversuche über alle Plattformen
Briefe und GeschenkeE-Mails und Nachrichten
AnrufeFake-Profile zur Kontaktaufnahme
Beschädigung von EigentumHacking, Identitätsdiebstahl

Anzeichen für Cyberstalking erkennen

Kurz: Cyberstalking beginnt oft schleichend und wird erst mit der Zeit als solches erkannt. Typische Warnsignale sind wiederholte unerwünschte Kontaktaufnahmen, das Auftauchen in verschiedenen digitalen Räumen und das Gefühl, beobachtet zu werden.

Frühe Warnsignale

  1. Häufige „zufällige" Begegnungen auf verschiedenen Plattformen
  2. Wissen über Details, die Sie nicht geteilt haben
  3. Neue Follower/Freundschaftsanfragen von unbekannten Accounts kurz nach Ereignissen
  4. Reaktionen auf private Posts, obwohl der Stalker nicht in Ihrer Freundesliste ist
  5. Ungewöhnliche Login-Versuche bei Ihren Accounts

Eskalationsstufen

StufeVerhaltenDringlichkeit
1Likes, Kommentare, Follower-AnfragenBeobachten
2Direkte Nachrichten, mehrfache KontaktversucheDokumentieren
3Nachrichten nach Blockierung, neue AccountsHandeln
4Drohungen, Verleumdung, DoxxingSofort Anzeige
5Physische Kontaktversuche, GewaltandrohungPolizei + Schutzmaßnahmen

Checkliste: Bin ich betroffen?

  • Erhalte ich wiederholt unerwünschte Nachrichten von der gleichen Person?
  • Taucht jemand auf verschiedenen Plattformen immer wieder auf?
  • Werden Fake-Accounts erstellt, um mich zu kontaktieren?
  • Wird über mich online gelogen oder diffamiert?
  • Fühle ich mich digital beobachtet oder verfolgt?
  • Hat jemand Zugang zu Informationen, die ich nicht geteilt habe?

Ergebnis: Wenn Sie 2+ Punkte bejahen, sollten Sie handeln.

Beweise richtig sichern – Schritt für Schritt

Kurz: Die Beweissicherung ist entscheidend für alle rechtlichen Schritte. Dokumentieren Sie alles chronologisch, bevor Sie den Täter blockieren oder Accounts löschen.

Grundregeln der Beweissicherung

  1. Nichts löschen – auch nicht "aus Versehen"
  2. Erst sichern, dann blockieren – Chats verschwinden sonst
  3. Vollständigkeit – auch scheinbar Unwichtiges kann relevant sein
  4. Zeitstempel – Datum und Uhrzeit müssen erkennbar sein
  5. Mehrfache Sicherung – Cloud + lokale Kopie + Ausdruck

Screenshots richtig anfertigen

Schlechter Screenshot:

  • Nur der Text der Nachricht
  • Kein Datum sichtbar
  • Profilbild/Name abgeschnitten

Guter Screenshot:

  • Vollständiges Chatfenster mit Absender sichtbar
  • Datum und Uhrzeit erkennbar
  • Kontext (vorangegangene Nachrichten) sichtbar
  • Plattform erkennbar

Noch besser: Bildschirmaufnahme (Video)

  • Zeigt die Echtheit des Screenshots
  • Scrolling durch gesamten Verlauf
  • Metadaten der Plattform sichtbar

E-Mails vollständig sichern

E-Mails enthalten wichtige technische Informationen im „Header":

  1. Öffnen Sie die E-Mail
  2. Suchen Sie die Option „Original anzeigen" oder „Quelltext"
  3. Speichern Sie die vollständige E-Mail als .eml-Datei
  4. Drucken Sie sie zusätzlich als PDF

Der Header enthält:

  • IP-Adresse des Absenders (manchmal)
  • Tatsächliche E-Mail-Adresse
  • Zeitstempel des Servers
  • Routing-Informationen

Chronologisches Protokoll führen

Erstellen Sie eine Tabelle mit allen Vorfällen:

DatumUhrzeitPlattformArt des KontaktsInhalt (Stichworte)Beweis-Nr.
15.01.202614:23InstagramDM"Ich sehe dich..."B-001
15.01.202618:45E-MailE-MailDrohungenB-002
16.01.202609:12WhatsAppNachrichtNach Blockierung neue NummerB-003

Wie Detektive bei Cyberstalking helfen

Kurz: Professionelle Ermittler können den Täter identifizieren, auch wenn er anonym agiert. Sie sichern Beweise gerichtsfest und enttarnen Fake-Profile durch OSINT-Recherche und Verbindungsanalysen.

Täteridentifizierung

Auch anonyme Cyberstalker hinterlassen Spuren:

  • Sprachliche Muster: Schreibstil, Ausdrucksweise, Fehler
  • Zeitliche Muster: Wann werden Nachrichten gesendet?
  • Inhaltliche Hinweise: Wissen, das nur bestimmte Personen haben
  • Technische Spuren: IP-Adressen, Account-Verknüpfungen
  • Soziale Verbindungen: Wer folgt dem Fake-Account?

Fake-Profile enttarnen

Detektive analysieren verdächtige Profile auf:

  • Erstellungsdatum und Aktivitätsmuster
  • Verwendete Fotos (Reverse Image Search)
  • Verbindungen zu anderen Accounts
  • Sprachliche Übereinstimmungen mit bekannten Personen
  • Technische Metadaten

Mehr dazu in unserem Artikel zu Fake-Profilen.

Gerichtsfeste Beweissicherung

Professionelle Ermittler erstellen Berichte, die vor Gericht Bestand haben:

  1. Vollständige Dokumentation aller digitalen Spuren
  2. Nachvollziehbare Methodik der Recherche
  3. Technische Sicherung mit Zeitstempeln und Hash-Werten
  4. Schriftlicher Bericht mit Quellenangaben
  5. Aussagebereitschaft als Zeuge vor Gericht

Typischer Ablauf einer Cyberstalking-Ermittlung

  1. Erstgespräch: Schilderung des Falls, Sichtung vorhandener Beweise
  2. Beweissicherung: Professionelle Sicherung aller digitalen Spuren
  3. OSINT-Recherche: Analyse der Täter-Accounts und -Aktivitäten
  4. Verbindungsanalyse: Aufdecken von Beziehungen zwischen Accounts
  5. Identifizierung: Zuordnung zu einer realen Person
  6. Bericht: Gerichtsverwertbare Dokumentation
  7. Unterstützung: Bei Strafanzeige und zivilrechtlichen Schritten

Mehr zu unserer Hilfe bei Stalking-Fällen.

Rechtliche Schritte gegen Cyberstalking

Kurz: Betroffene können Strafanzeige erstatten, eine einstweilige Verfügung erwirken und zivilrechtliche Ansprüche geltend machen. Je besser die Beweislage, desto erfolgreicher die rechtlichen Schritte.

Strafanzeige erstatten

Wo: Bei jeder Polizeidienststelle oder online (je nach Bundesland)

Was Sie mitbringen sollten:

  • Chronologisches Protokoll der Vorfälle
  • Alle gesicherten Beweise (USB-Stick + Ausdrucke)
  • Identität des Täters (wenn bekannt)
  • Zeugen (wenn vorhanden)

Was passiert dann:

  1. Aufnahme der Anzeige
  2. Ermittlungsverfahren durch Staatsanwaltschaft
  3. Ggf. Beantragung von Providerdaten
  4. Vernehmung des Verdächtigen
  5. Anklage oder Einstellung

Einstweilige Verfügung (Kontaktverbot)

Über einen Anwalt können Sie schnell ein Kontaktverbot erwirken:

MaßnahmeInhalt
KontaktverbotKeine Nachrichten, Anrufe, E-Mails
AnnäherungsverbotMindestabstand in Metern
AufenthaltsverbotNicht an bestimmten Orten erscheinen
VerbreitungsverbotKeine Informationen über Sie verbreiten

Voraussetzung: Glaubhafte Darlegung der Stalking-Handlungen – hier zahlen sich gute Beweise aus.

Zivilrechtliche Ansprüche

  • Unterlassung: Verbot weiterer Kontaktaufnahme
  • Schadensersatz: Bei nachweisbaren Schäden (z.B. Therapiekosten)
  • Schmerzensgeld: Für erlittene psychische Belastung
  • Erstattung von Ermittlungskosten: In manchen Fällen möglich

Schutzmaßnahmen für Betroffene

Kurz: Neben der rechtlichen Verfolgung sollten Sie sich aktiv schützen. Dazu gehören digitale Sicherheitsmaßnahmen, Dokumentation und psychische Unterstützung.

Digitale Sicherheit erhöhen

  1. Passwörter ändern – überall, mit starken, einzigartigen Passwörtern
  2. Zwei-Faktor-Authentifizierung – für alle wichtigen Accounts aktivieren
  3. Privatsphäre-Einstellungen – Profile auf „privat" setzen
  4. Standortdienste prüfen – nicht benötigte Ortung deaktivieren
  5. Geräte überprüfen – auf Spyware oder Tracking-Apps scannen
  6. E-Mail-Adresse – ggf. neue, nicht-öffentliche Adresse nutzen

Umgang mit dem Stalker

  • Nicht reagieren – jede Reaktion bestärkt den Täter
  • Nicht provozieren – keine öffentlichen Kommentare oder Konfrontation
  • Blockieren – nach Beweissicherung konsequent blockieren
  • Melden – Accounts bei der Plattform melden
  • Dokumentieren – auch nach Blockierung weiter protokollieren

Unterstützung suchen

  • Polizei: Bei akuter Gefahr sofort 110
  • Weisser Ring: Opferhilfe und Beratung
  • Anwalt: Für rechtliche Schritte
  • Detektei: Für Täteridentifizierung und Beweissicherung
  • Therapeut: Für psychische Verarbeitung
  • Vertrauenspersonen: Nicht alleine durchstehen

Kosten einer Cyberstalking-Ermittlung

Kurz: Die Kosten hängen vom Aufwand ab. Einfache Recherchen beginnen bei wenigen Hundert Euro, komplexe Identifizierungen können mehrere Tausend Euro kosten.

Preisübersicht

LeistungTypischer AufwandPreisrahmen
Erstberatung30-60 Min.Oft kostenlos
Beweissicherung2-4 Stunden200-500€
Fake-Profil-Analyse4-8 Stunden500-1.000€
Täteridentifizierung (einfach)1-2 Tage800-1.500€
Täteridentifizierung (komplex)Mehrere Tage-Wochen2.000-5.000€
Gerichtsverwertbarer BerichtInkl. in Ermittlung

Können die Kosten erstattet werden?

In bestimmten Fällen:

  • Zivilrechtlich: Bei erfolgreichem Urteil gegen den Täter
  • Opferentschädigung: In schweren Fällen über Opferfonds
  • Rechtsschutzversicherung: Prüfen Sie Ihre Police

Mehr zu Detektivkosten und Kostenerstattung.

Fazit: Handeln Sie – Cyberstalking hört nicht von selbst auf

Cyberstalking ist eine ernstzunehmende Straftat, die selten von selbst endet. Je früher Sie handeln, desto besser können Sie sich schützen und den Täter zur Rechenschaft ziehen.

Die wichtigsten Schritte:

  1. ✅ Beweise sichern – vollständig und chronologisch
  2. ✅ Nicht ignorieren – dokumentieren Sie alles
  3. ✅ Professionelle Hilfe holen – Detektei und/oder Anwalt
  4. ✅ Strafanzeige erstatten – mit guten Beweisen
  5. ✅ Schutzmaßnahmen ergreifen – digital und physisch
  6. ✅ Unterstützung suchen – Sie sind nicht allein

Sie werden online belästigt? Wir helfen Ihnen, den Täter zu identifizieren und Beweise zu sichern. Die Erstberatung ist vertraulich und kostenlos.

Jetzt Hilfe holen: Vertraulich Kontakt aufnehmen →

Häufige Fragen

Cyberstalking findet hauptsächlich im digitalen Raum statt – durch E-Mails, soziale Medien, Messenger oder Online-Plattformen. Klassisches Stalking umfasst physische Verfolgung und Kontaktaufnahme. Oft treten beide Formen kombiniert auf.
Ja, Cyberstalking fällt unter § 238 StGB (Nachstellung) und kann mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft werden. In besonders schweren Fällen drohen bis zu fünf Jahre Haft.
Machen Sie Screenshots mit sichtbarem Datum und Uhrzeit, speichern Sie E-Mails vollständig (inkl. Header), dokumentieren Sie jede Kontaktaufnahme chronologisch und sichern Sie Chat-Verläufe, bevor Sie den Täter blockieren.
Ja, aber erst NACHDEM Sie alle Beweise gesichert haben. Durch das Blockieren verschwinden manchmal Chatverläufe oder Profile. Dokumentieren Sie erst alles, dann blockieren und melden Sie den Account.
Ja, Detektive können den Täter durch OSINT-Recherche identifizieren, Fake-Profile enttarnen, Beweise gerichtsfest sichern und die Verbindungen zwischen verschiedenen Accounts aufdecken.
Auch anonyme Täter hinterlassen digitale Spuren. Professionelle Ermittler können oft IP-Adressen, Schreibstile oder Verbindungen zu echten Identitäten aufdecken. Über die Staatsanwaltschaft sind auch Provideranfragen möglich.
Screenshots sind ein wichtiger Anfang, aber allein oft nicht ausreichend. Besser: Videos der Bildschirmaufnahme beim Scrollen, vollständige E-Mails mit Header, notarielle Beglaubigung bei wichtigen Beweisen.
Das variiert stark. Wenn der Täter leichtfertig war, kann die Identifizierung wenige Tage dauern. Bei technisch versierten Tätern mit Anonymisierungsmaßnahmen kann es Wochen oder Monate dauern.
Die Kosten hängen vom Aufwand ab. Einfache Recherchen beginnen bei 500-1.000€, komplexe Identifizierungen mit Langzeitüberwachung können 3.000-10.000€ kosten. Eine Erstberatung ist meist kostenlos.
Ja, bei nachgewiesenem Stalking können Sie über einen Anwalt eine einstweilige Verfügung (Kontaktverbot, Annäherungsverbot) beantragen. Gut dokumentierte Beweise erhöhen die Erfolgschancen erheblich.

Quellen

CyberstalkingOnline-BelästigungStalkingBeweissicherungSocial Mediadigitale Sicherheit