Cyberstalking ist eine ernste Straftat, die Betroffene in ihrer digitalen und realen Existenz massiv beeinträchtigt. Doch um sich rechtlich zu wehren, brauchen Sie Beweise. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie Cyberstalking erkennen, dokumentieren und mit professioneller Hilfe beenden können.
Das Wichtigste im Überblick
- •Strafbar: Cyberstalking fällt unter § 238 StGB mit bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe
- •Beweise sichern: Screenshots, E-Mails, Chatverläufe – BEVOR Sie blockieren
- •Chronologie führen: Datum, Uhrzeit, Inhalt jeder Kontaktaufnahme dokumentieren
- •Nicht ignorieren: Stalking hört selten von selbst auf – handeln Sie
- •Professionelle Hilfe: Detektive können Täter identifizieren und Beweise sichern
- •Rechtliche Schritte: Strafanzeige + einstweilige Verfügung möglich
Was ist Cyberstalking? Definition und Abgrenzung
Kurz: Cyberstalking ist die wiederholte, unerwünschte Belästigung einer Person über digitale Kanäle. Dazu gehören obsessive Nachrichten, Überwachung von Online-Aktivitäten, Identitätsdiebstahl, Verleumdung und die Verbreitung intimer Informationen oder Bilder.
Typische Formen von Cyberstalking
| Form | Beschreibung |
|---|---|
| Nachrichtenbombardement | Hunderte unerwünschte E-Mails, SMS, DMs |
| Fake-Profile | Kontaktaufnahme unter falscher Identität |
| Doxxing | Veröffentlichung persönlicher Daten |
| Rachepornografie | Verbreitung intimer Aufnahmen |
| Online-Verleumdung | Falsche Behauptungen in Foren, Bewertungen |
| Account-Hacking | Übernahme von Social-Media-Konten |
| Tracking | Überwachung von Standort und Aktivitäten |
| Impersonation | Auftreten unter dem Namen des Opfers |
Rechtliche Einordnung: § 238 StGB
Der Stalking-Paragraph wurde 2017 verschärft und erfasst nun auch digitale Belästigungsformen:
„Wer einer anderen Person in einer Weise unbefugt nachstellt, die geeignet ist, deren Lebensgestaltung schwerwiegend zu beeinträchtigen, indem er beharrlich (...) unter Verwendung von Telekommunikationsmitteln oder sonstigen Mitteln der Kommunikation oder über Dritte Kontakt zu ihr herzustellen versucht (...) wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."
Wichtig: Seit der Reform reicht es aus, dass die Handlungen „geeignet" sind, das Leben zu beeinträchtigen – es muss nicht mehr nachgewiesen werden, dass sie es tatsächlich tun.
Cyberstalking vs. klassisches Stalking
Beide Formen treten oft kombiniert auf:
| Klassisches Stalking | Cyberstalking |
|---|---|
| Physische Verfolgung | Überwachung von Online-Aktivitäten |
| Auflauern vor der Wohnung | Kontaktversuche über alle Plattformen |
| Briefe und Geschenke | E-Mails und Nachrichten |
| Anrufe | Fake-Profile zur Kontaktaufnahme |
| Beschädigung von Eigentum | Hacking, Identitätsdiebstahl |
Anzeichen für Cyberstalking erkennen
Kurz: Cyberstalking beginnt oft schleichend und wird erst mit der Zeit als solches erkannt. Typische Warnsignale sind wiederholte unerwünschte Kontaktaufnahmen, das Auftauchen in verschiedenen digitalen Räumen und das Gefühl, beobachtet zu werden.
Frühe Warnsignale
- •Häufige „zufällige" Begegnungen auf verschiedenen Plattformen
- •Wissen über Details, die Sie nicht geteilt haben
- •Neue Follower/Freundschaftsanfragen von unbekannten Accounts kurz nach Ereignissen
- •Reaktionen auf private Posts, obwohl der Stalker nicht in Ihrer Freundesliste ist
- •Ungewöhnliche Login-Versuche bei Ihren Accounts
Eskalationsstufen
| Stufe | Verhalten | Dringlichkeit |
|---|---|---|
| 1 | Likes, Kommentare, Follower-Anfragen | Beobachten |
| 2 | Direkte Nachrichten, mehrfache Kontaktversuche | Dokumentieren |
| 3 | Nachrichten nach Blockierung, neue Accounts | Handeln |
| 4 | Drohungen, Verleumdung, Doxxing | Sofort Anzeige |
| 5 | Physische Kontaktversuche, Gewaltandrohung | Polizei + Schutzmaßnahmen |
Checkliste: Bin ich betroffen?
- • Erhalte ich wiederholt unerwünschte Nachrichten von der gleichen Person?
- • Taucht jemand auf verschiedenen Plattformen immer wieder auf?
- • Werden Fake-Accounts erstellt, um mich zu kontaktieren?
- • Wird über mich online gelogen oder diffamiert?
- • Fühle ich mich digital beobachtet oder verfolgt?
- • Hat jemand Zugang zu Informationen, die ich nicht geteilt habe?
Ergebnis: Wenn Sie 2+ Punkte bejahen, sollten Sie handeln.
Beweise richtig sichern – Schritt für Schritt
Kurz: Die Beweissicherung ist entscheidend für alle rechtlichen Schritte. Dokumentieren Sie alles chronologisch, bevor Sie den Täter blockieren oder Accounts löschen.
Grundregeln der Beweissicherung
- •Nichts löschen – auch nicht "aus Versehen"
- •Erst sichern, dann blockieren – Chats verschwinden sonst
- •Vollständigkeit – auch scheinbar Unwichtiges kann relevant sein
- •Zeitstempel – Datum und Uhrzeit müssen erkennbar sein
- •Mehrfache Sicherung – Cloud + lokale Kopie + Ausdruck
Screenshots richtig anfertigen
Schlechter Screenshot:
- •Nur der Text der Nachricht
- •Kein Datum sichtbar
- •Profilbild/Name abgeschnitten
Guter Screenshot:
- •Vollständiges Chatfenster mit Absender sichtbar
- •Datum und Uhrzeit erkennbar
- •Kontext (vorangegangene Nachrichten) sichtbar
- •Plattform erkennbar
Noch besser: Bildschirmaufnahme (Video)
- •Zeigt die Echtheit des Screenshots
- •Scrolling durch gesamten Verlauf
- •Metadaten der Plattform sichtbar
E-Mails vollständig sichern
E-Mails enthalten wichtige technische Informationen im „Header":
- •Öffnen Sie die E-Mail
- •Suchen Sie die Option „Original anzeigen" oder „Quelltext"
- •Speichern Sie die vollständige E-Mail als .eml-Datei
- •Drucken Sie sie zusätzlich als PDF
Der Header enthält:
- •IP-Adresse des Absenders (manchmal)
- •Tatsächliche E-Mail-Adresse
- •Zeitstempel des Servers
- •Routing-Informationen
Chronologisches Protokoll führen
Erstellen Sie eine Tabelle mit allen Vorfällen:
| Datum | Uhrzeit | Plattform | Art des Kontakts | Inhalt (Stichworte) | Beweis-Nr. |
|---|---|---|---|---|---|
| 15.01.2026 | 14:23 | DM | "Ich sehe dich..." | B-001 | |
| 15.01.2026 | 18:45 | Drohungen | B-002 | ||
| 16.01.2026 | 09:12 | Nachricht | Nach Blockierung neue Nummer | B-003 |
Wie Detektive bei Cyberstalking helfen
Kurz: Professionelle Ermittler können den Täter identifizieren, auch wenn er anonym agiert. Sie sichern Beweise gerichtsfest und enttarnen Fake-Profile durch OSINT-Recherche und Verbindungsanalysen.
Täteridentifizierung
Auch anonyme Cyberstalker hinterlassen Spuren:
- •Sprachliche Muster: Schreibstil, Ausdrucksweise, Fehler
- •Zeitliche Muster: Wann werden Nachrichten gesendet?
- •Inhaltliche Hinweise: Wissen, das nur bestimmte Personen haben
- •Technische Spuren: IP-Adressen, Account-Verknüpfungen
- •Soziale Verbindungen: Wer folgt dem Fake-Account?
Fake-Profile enttarnen
Detektive analysieren verdächtige Profile auf:
- •Erstellungsdatum und Aktivitätsmuster
- •Verwendete Fotos (Reverse Image Search)
- •Verbindungen zu anderen Accounts
- •Sprachliche Übereinstimmungen mit bekannten Personen
- •Technische Metadaten
Mehr dazu in unserem Artikel zu Fake-Profilen.
Gerichtsfeste Beweissicherung
Professionelle Ermittler erstellen Berichte, die vor Gericht Bestand haben:
- •Vollständige Dokumentation aller digitalen Spuren
- •Nachvollziehbare Methodik der Recherche
- •Technische Sicherung mit Zeitstempeln und Hash-Werten
- •Schriftlicher Bericht mit Quellenangaben
- •Aussagebereitschaft als Zeuge vor Gericht
Typischer Ablauf einer Cyberstalking-Ermittlung
- •Erstgespräch: Schilderung des Falls, Sichtung vorhandener Beweise
- •Beweissicherung: Professionelle Sicherung aller digitalen Spuren
- •OSINT-Recherche: Analyse der Täter-Accounts und -Aktivitäten
- •Verbindungsanalyse: Aufdecken von Beziehungen zwischen Accounts
- •Identifizierung: Zuordnung zu einer realen Person
- •Bericht: Gerichtsverwertbare Dokumentation
- •Unterstützung: Bei Strafanzeige und zivilrechtlichen Schritten
Mehr zu unserer Hilfe bei Stalking-Fällen.
Rechtliche Schritte gegen Cyberstalking
Kurz: Betroffene können Strafanzeige erstatten, eine einstweilige Verfügung erwirken und zivilrechtliche Ansprüche geltend machen. Je besser die Beweislage, desto erfolgreicher die rechtlichen Schritte.
Strafanzeige erstatten
Wo: Bei jeder Polizeidienststelle oder online (je nach Bundesland)
Was Sie mitbringen sollten:
- •Chronologisches Protokoll der Vorfälle
- •Alle gesicherten Beweise (USB-Stick + Ausdrucke)
- •Identität des Täters (wenn bekannt)
- •Zeugen (wenn vorhanden)
Was passiert dann:
- •Aufnahme der Anzeige
- •Ermittlungsverfahren durch Staatsanwaltschaft
- •Ggf. Beantragung von Providerdaten
- •Vernehmung des Verdächtigen
- •Anklage oder Einstellung
Einstweilige Verfügung (Kontaktverbot)
Über einen Anwalt können Sie schnell ein Kontaktverbot erwirken:
| Maßnahme | Inhalt |
|---|---|
| Kontaktverbot | Keine Nachrichten, Anrufe, E-Mails |
| Annäherungsverbot | Mindestabstand in Metern |
| Aufenthaltsverbot | Nicht an bestimmten Orten erscheinen |
| Verbreitungsverbot | Keine Informationen über Sie verbreiten |
Voraussetzung: Glaubhafte Darlegung der Stalking-Handlungen – hier zahlen sich gute Beweise aus.
Zivilrechtliche Ansprüche
- •Unterlassung: Verbot weiterer Kontaktaufnahme
- •Schadensersatz: Bei nachweisbaren Schäden (z.B. Therapiekosten)
- •Schmerzensgeld: Für erlittene psychische Belastung
- •Erstattung von Ermittlungskosten: In manchen Fällen möglich
Schutzmaßnahmen für Betroffene
Kurz: Neben der rechtlichen Verfolgung sollten Sie sich aktiv schützen. Dazu gehören digitale Sicherheitsmaßnahmen, Dokumentation und psychische Unterstützung.
Digitale Sicherheit erhöhen
- •Passwörter ändern – überall, mit starken, einzigartigen Passwörtern
- •Zwei-Faktor-Authentifizierung – für alle wichtigen Accounts aktivieren
- •Privatsphäre-Einstellungen – Profile auf „privat" setzen
- •Standortdienste prüfen – nicht benötigte Ortung deaktivieren
- •Geräte überprüfen – auf Spyware oder Tracking-Apps scannen
- •E-Mail-Adresse – ggf. neue, nicht-öffentliche Adresse nutzen
Umgang mit dem Stalker
- •Nicht reagieren – jede Reaktion bestärkt den Täter
- •Nicht provozieren – keine öffentlichen Kommentare oder Konfrontation
- •Blockieren – nach Beweissicherung konsequent blockieren
- •Melden – Accounts bei der Plattform melden
- •Dokumentieren – auch nach Blockierung weiter protokollieren
Unterstützung suchen
- •Polizei: Bei akuter Gefahr sofort 110
- •Weisser Ring: Opferhilfe und Beratung
- •Anwalt: Für rechtliche Schritte
- •Detektei: Für Täteridentifizierung und Beweissicherung
- •Therapeut: Für psychische Verarbeitung
- •Vertrauenspersonen: Nicht alleine durchstehen
Kosten einer Cyberstalking-Ermittlung
Kurz: Die Kosten hängen vom Aufwand ab. Einfache Recherchen beginnen bei wenigen Hundert Euro, komplexe Identifizierungen können mehrere Tausend Euro kosten.
Preisübersicht
| Leistung | Typischer Aufwand | Preisrahmen |
|---|---|---|
| Erstberatung | 30-60 Min. | Oft kostenlos |
| Beweissicherung | 2-4 Stunden | 200-500€ |
| Fake-Profil-Analyse | 4-8 Stunden | 500-1.000€ |
| Täteridentifizierung (einfach) | 1-2 Tage | 800-1.500€ |
| Täteridentifizierung (komplex) | Mehrere Tage-Wochen | 2.000-5.000€ |
| Gerichtsverwertbarer Bericht | Inkl. in Ermittlung | – |
Können die Kosten erstattet werden?
In bestimmten Fällen:
- •Zivilrechtlich: Bei erfolgreichem Urteil gegen den Täter
- •Opferentschädigung: In schweren Fällen über Opferfonds
- •Rechtsschutzversicherung: Prüfen Sie Ihre Police
Mehr zu Detektivkosten und Kostenerstattung.
Fazit: Handeln Sie – Cyberstalking hört nicht von selbst auf
Cyberstalking ist eine ernstzunehmende Straftat, die selten von selbst endet. Je früher Sie handeln, desto besser können Sie sich schützen und den Täter zur Rechenschaft ziehen.
Die wichtigsten Schritte:
- •✅ Beweise sichern – vollständig und chronologisch
- •✅ Nicht ignorieren – dokumentieren Sie alles
- •✅ Professionelle Hilfe holen – Detektei und/oder Anwalt
- •✅ Strafanzeige erstatten – mit guten Beweisen
- •✅ Schutzmaßnahmen ergreifen – digital und physisch
- •✅ Unterstützung suchen – Sie sind nicht allein
Sie werden online belästigt? Wir helfen Ihnen, den Täter zu identifizieren und Beweise zu sichern. Die Erstberatung ist vertraulich und kostenlos.
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Häufige Fragen
Vertiefende Artikel zu diesem Thema
2 ArtikelQuellen
- StGB § 238 - Nachstellung – Stalking-Paragraph
- GewSchG - Gewaltschutzgesetz – Rechtliche Schutzmaßnahmen
- Polizeiliche Kriminalstatistik - Stalking – Offizielle Statistiken
- Weisser Ring - Stalking-Hilfe – Opferhilfsorganisation
- BSI - IT-Sicherheit – Bundesamt für Sicherheit