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PartnerschaftÜbersichtsartikel7. Dezember 20255 Min. Lesezeit

Detektiv bei Scheidung – wann sinnvoll? 2026

Detektiv bei Scheidung beauftragen: ✓ Wann sinnvoll? ✓ Welche Beweise relevant? ✓ Kosten-Nutzen ✓ Rechtliche Grenzen. Alles zur Scheidungsermittlung!

Eine Scheidung ist emotional aufwühlend genug. Aber wenn Verdacht auf Untreue besteht oder Sie um faire Unterhaltsregelungen kämpfen, kann ein Detektiv wichtige Beweise liefern. Doch wann lohnt sich das wirklich?

In diesem Ratgeber erfahren Sie, wann ein Detektiv bei Scheidung sinnvoll ist, welche Beweise relevant sind und was Sie beachten sollten.

Das Wichtigste im Überblick

  • Für Scheidung selbst: Keine Beweise für Ehebruch nötig (Zerrüttungsprinzip)
  • Aber relevant für: Unterhalt, Vermögensaufteilung, Sorgerecht
  • Untreue-Beweis: Kann Unterhaltsanspruch beeinflussen
  • Verstecktes Einkommen: Observation kann es aufdecken
  • Timing: Oft vor Trennung sinnvoller
  • Kosten-Nutzen: Abhängig von finanziellen Folgen

Das Zerrüttungsprinzip verstehen

Kurz: Für die Scheidung selbst brauchen Sie in Deutschland keine Beweise für Untreue. Seit 1976 gilt das Zerrüttungsprinzip – es reicht, dass die Ehe gescheitert ist, nachgewiesen durch das Trennungsjahr.

Wie Scheidung in Deutschland funktioniert

VoraussetzungErforderlich
TrennungsjahrJa (1 Jahr, bei Einvernehmen)
3 Jahre TrennungBei einseitigem Wunsch
Nachweis EhebruchNein
Nachweis SchuldNein

Was das bedeutet

Sie können sich scheiden lassen, ohne zu beweisen, dass Ihr Partner fremdgegangen ist. Der Richter fragt nicht nach dem "Warum" der Zerrüttung.

Aber: Die Scheidung ist nur ein Teil. Bei Unterhalt, Vermögen und Sorgerecht können Beweise sehr wohl relevant werden.

Wann sind Beweise trotzdem wichtig?

Kurz: Obwohl Ehebruch für die Scheidung irrelevant ist, können Beweise für Untreue, verstecktes Einkommen oder Fehlverhalten bei den Scheidungsfolgen entscheidend sein.

Bereich 1: Unterhaltsansprüche

Nach § 1579 BGB kann Unterhalt versagt oder gekürzt werden, wenn ein schweres Fehlverhalten vorliegt:

SituationAuswirkung auf Unterhalt
Langjährige Affäre mit TäuschungKürzung möglich
Neuer Partner direkt nach TrennungMöglicherweise relevant
Verschwendung Ehevermögen für AffäreBerücksichtigung bei Aufteilung
Vernachlässigung der KinderKann Sorgerecht beeinflussen

Bereich 2: Vermögensaufteilung

Wenn der Partner Vermögen verschoben oder verschwendet hat:

  • Geldgeschenke an Affäre
  • Gemeinsame Konten geplündert
  • Wertgegenstände verschwinden lassen
  • Schwarzgeld versteckt

Ein Detektiv kann Lebensstil und Ausgabeverhalten dokumentieren.

Bereich 3: Sorgerecht

Wenn Kinder involviert sind:

  • Vernachlässigt der Partner die Kinder für Treffen?
  • Wird das Kind in die Affäre einbezogen?
  • Gefährdet das Verhalten das Kindeswohl?

Dokumentierte Beweise können vor dem Familiengericht relevant sein.

Was kann ein Detektiv bei Scheidung dokumentieren?

Kurz: Ein Detektiv kann Untreue, verstecktes Einkommen, Vermögensverschiebungen und den Lebensstil des Partners dokumentieren – alles Faktoren, die bei Scheidungsfolgen relevant sein können.

Untreue-Nachweis

  • Treffen mit der anderen Person
  • Gemeinsame Hotelbesuche
  • Häufigkeit und Dauer der Treffen
  • Dokumentation durch Fotos

Einkommens- und Vermögensermittlung

  • Arbeitet der Partner "nebenbei" schwarz?
  • Gibt es verstecktes Einkommen?
  • Welchen Lebensstil führt er/sie wirklich?
  • Gibt es Anzeichen für verstecktes Vermögen?

Verhaltens-Dokumentation

  • Vernachlässigung der Kinder
  • Verschwendung gemeinsamen Geldes
  • Lügen über Aufenthalt
  • Gefährdendes Verhalten

Kosten-Nutzen-Analyse

Kurz: Ob sich ein Detektiv lohnt, hängt von den finanziellen Folgen der Scheidung ab. Bei hohen Unterhaltsansprüchen oder großem Vermögen kann eine Investition von 3.000-5.000€ sich vielfach auszahlen.

Wann lohnt es sich finanziell?

SituationDetektiv sinnvoll?
Unterhalt mehrere hundert €/Monat✅ Ja
Großes Vermögen zur Teilung✅ Ja
Verdacht auf verstecktes Einkommen✅ Ja
Streit um Sorgerecht✅ Ja
Einvernehmliche Scheidung, wenig Vermögen❌ Eher nicht

Rechenbeispiel

Situation:

  • Unterhalt ohne Beweis: 800€/Monat
  • Mit Beweis der Affäre: 400€/Monat (Kürzung wegen Fehlverhalten)
  • Differenz über 5 Jahre: 24.000€

Detektivkosten: 4.000€ Ersparnis: 20.000€

Wann lohnt es sich nicht?

  • Einvernehmliche Scheidung geplant
  • Keine nennenswerten Unterhaltsansprüche
  • Kein strittiges Vermögen
  • Sie wollen nur emotionale Gewissheit (dann ist es eine persönliche Entscheidung, kein finanzielles Kalkül)

Der richtige Zeitpunkt

Kurz: Oft ist eine Ermittlung vor der Trennung sinnvoller, da das Verhalten des Partners sich nach der Trennung ändert. Aber auch später können Beweise nötig sein.

Vor der Trennung

Vorteile:

  • Partner verhält sich "normal"
  • Affäre noch aktiv
  • Keine Verhaltensänderung durch Trennung
  • Bessere Dokumentationsmöglichkeiten

Nachteile:

  • Emotionale Belastung während Beziehung
  • Entdeckungsrisiko (Konfrontation früher als geplant)

Nach der Trennung

Vorteile:

  • Emotionale Distanz einfacher
  • Klare Entscheidung bereits getroffen

Nachteile:

  • Partner möglicherweise vorsichtiger
  • Affäre evtl. beendet oder versteckt
  • Weniger "belastendes" Material

Empfehlung

Wenn Sie ohnehin zur Trennung entschlossen sind: Lieber vor der Trennung Beweise sichern.

Zusammenarbeit mit Anwalt

Kurz: Die beste Strategie ist eine Kombination aus Detektiv und Anwalt. Der Anwalt koordiniert, welche Beweise nötig sind, der Detektiv beschafft sie – so arbeiten beide optimal zusammen.

Der ideale Ablauf

1. Anwalt konsultieren
   → Rechtliche Situation klären
   → Welche Beweise sind relevant?

2. Detektiv beauftragen
   → Gezielte Ermittlung
   → Beweissicherung nach Anwaltsvorgaben

3. Ergebnisse zum Anwalt
   → Bewertung der Beweise
   → Strategie für Verhandlung/Gericht

4. Scheidungsverfahren
   → Beweise gezielt einsetzen

Warum diese Reihenfolge?

  • Anwalt weiß, welche Beweise helfen
  • Keine unnötigen Ermittlungen
  • Gerichtsverwertbarkeit sichergestellt
  • Kosten-Nutzen optimiert

Fazit: Eine überlegte Entscheidung

Ein Detektiv bei Scheidung kann sinnvoll sein – aber nicht immer. Entscheidend sind die finanziellen Folgen (Unterhalt, Vermögen) und ob strittige Punkte zu klären sind. Bei einvernehmlichen Scheidungen mit wenig Konfliktpotenzial ist die Investition meist nicht nötig.

Unser Tipp: Sprechen Sie zuerst mit einem Fachanwalt für Familienrecht. Der kann einschätzen, ob und welche Beweise in Ihrem Fall relevant wären. Dann können Sie eine fundierte Entscheidung treffen.

Unsicher, ob ein Detektiv in Ihrem Fall hilft? Wir geben Ihnen eine ehrliche Einschätzung – kostenlos und unverbindlich.

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Häufige Fragen

Nein. In Deutschland gilt das Zerrüttungsprinzip – für die Scheidung selbst brauchen Sie keinen Nachweis von Untreue. Die Ehe muss nur zerrüttet sein (Trennungsjahr).
Beweise können relevant sein für: Unterhaltsansprüche, Vermögensaufteilung bei Verschwendung, Sorgerechtsstreitigkeiten und die Verkürzung des Trennungsjahrs bei Härtefällen.
Ja, in bestimmten Fällen. Ein schweres Fehlverhalten (wie langjährige Affäre mit Täuschung) kann den Unterhaltsanspruch des 'schuldigen' Partners reduzieren oder ausschließen.
Typischerweise 2.000-5.000€ für eine Untreue-Ermittlung. Die Kosten hängen von Dauer und Komplexität ab. Ob sich das lohnt, hängt von den finanziellen Folgen der Scheidung ab.
In Scheidungsverfahren selten, da jede Partei ihre Kosten trägt. Wenn die Beweise aber für andere Verfahren (z.B. Unterhaltsprozess) relevant sind, kann Erstattung möglich sein.
Eine Affäre/neuen Partner, verstecktes Einkommen, Vermögensverschiebungen, Verstoß gegen Sorgerechtspflichten und den Lebensstil des Ex-Partners.
Typischerweise 1-2 Wochen für Untreue-Nachweis, länger für Einkommens- oder Vermögensermittlungen. In der Erstberatung erhalten Sie eine realistische Einschätzung.
Oft vor der Trennung sinnvoller, da danach das Verhalten anders ist. Aber auch nach Trennung kann eine Ermittlung (z.B. für Unterhaltsstreit) nötig sein.

Quellen

Detektiv ScheidungEhebruchUnterhaltBeweissicherungFamilienrecht